| Spieglein, Spieglein an der Wand - Schöne Geschichten zu Ostern | ||||||
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Spieglein, Spieglein an der WandHugo wollte unbedingt Coiffeur (Frisör) werden. Stundenlang saß er im Badezimmer, drehte Lockenwickler in seine langen, abstehenden Ohren und summte leise vergnügt: «Spiegelei, Spiegelei in der Hand, wer ist der Schönste im ganzen Land?» Dann lachte er und kämmte sich seinen Pelz, bis dieser glänzte. Eines Tages setzte Hugos Vater dem schönen Spiel ein Ende: «Du wirst jetzt erwachsen, mein Sohn», sagte er, «und somit ein Osterhase, wie alle Männer in unserer Familie. Wir beginnen gleich mit deiner Ausbildung.» «Au nein!» rief Hugo und hoppelte schnell aus dem Haus. Das half nichts. Sein Vater folgte ihm mit langen Sprüngen, packte ihn am Kragen und zog ihn auf direktem Weg ins Eiermalatelier. Dort drückte er ihm Pinsel und Malkasten in die Hand und setzte ihn unsanft auf einen hohen Drehstuhl. Hugo schaute trotzig und ließ seine Beine baumeln. Das fand er nun gar nicht lustig. Nein, also. Er drehte sich auf dem Stuhl im Kreise, schneller und schneller, bis seine Ohren waagerecht abstanden und immer höher flogen. Als ihm davon ganz schwindlig wurde, ließ er sich benommen auf den Boden plumpsen. Dort saß er nun traurig. Eiermalen fand er äußerst langweilig. Zudem konnten das seine Onkel und sein Vater sowieso besser. Plötzlich strahlte Hugo übers ganze Hasengesicht. Ja, mit den schönen Farben wusste er etwas viel besseres anzufangen, als Eier zu bemalen. Er steckte den Pinsel in den Farbtopf und begann sorgfältig, gelbe und blaue Streifen auf seine Ohren zu tupfen. Zum Schluss steckte er seinen kleinen, weißen Stummelschwanz ins lindengrüne Töpfchen. Als er an diesem Abend durch das Städtchen ging, staunten alle Menschen sehr. Sie lachten und freuten sich und viele folgten Hugo. Am nächsten Morgen liefen schon die ersten Kinder mit farbigen Strähnen in den Haaren zur Schule. Doch nicht nur die Kinder, auch die Erwachsenen ließen sich die Haare in allen Farben tönen. Und die Lehrerin hatte sogar blaue Fingernägel. Vater Hase packte ein mulmiges Gefühl, als er im Malatelier keinen Hugo fand, dafür kistenweise weiße, nackte Eier. «Huuuuugo!» rief er und rannte voller Panik durch das Städtchen. Als er beim Coiffeurgeschäft ankam, wartete dort eine lange Schlange. Im Laden stand sein Sohn und trug eine lange, weiße Schürze. Darunter guckte ein hellgrünes Schwänzchen hervor. Vater Hase schüttelte den Kopf. Da gab es wohl nichts mehr zu ändern. Irgendwie freute er sich sogar und war ein kleines bisschen stolz auf seinen Sohn, was er natürlich nicht zeigte. Zugegeben, seither gibt es weniger bemalte Ostereier. Dafür ist das Leben auf der Strasse viel farbiger geworden. Und wenn auch Du eines Tages ein weißes, nacktes Ei in Deinem Osternest findest, solltest Du Dir vielleicht Deinen Coiffeur etwas genauer anschauen...
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